Behandlung

Moderne Kinderwunschmedizin bietet vielfältige Möglichkeiten. Welche davon für Sie die richtige ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Welches Verfahren für Sie infrage kommt, entscheiden wir gemeinsam – orientiert am aktuellen Wissensstand und an dem, was zu Ihrer Lebenssituation passt.

Schonende Behandlung

Von der behutsamen Unterstützung des natürlichen Zyklus bis zu ambulanten operativen Eingriffen unter einem Dach

Unser Kinderwunschzentrum bietet seit über 30 Jahren das gesamte Spektrum reproduktionsmedizinischer Therapien im gesetzlich zugelassenen Rahmen an: von der Zyklusüberwachung und hormonellen Behandlung bis hin zu ambulanten Eingriffen in unseren eigenen OP-Räumen. Alles erfolgt dabei eng verzahnt, sodass Diagnostik, Therapie und gegebenenfalls operative Maßnahmen aus einer Hand erfolgen.
Für Sie bedeutet das kurze Wege, schnelle Befunde und eine verlässlich planbare Behandlung. Ergänzend unterstützen wir Sie mit Akupunktur und Ernährungsberatung. Wir behandeln nach aktuellem wissenschaftlichem Standard und zugleich individuell – denn entscheidend ist nicht nur das medizinisch Machbare, sondern das, was zu Ihrer persönlichen Situation und Ihren Wünschen passt.

Behandlungsmethoden im Detail

Zyklusüberwachung & Hormonbehandlung

Unregelmäßige Menstruationszyklen sind oft Ausdruck einer gestörten oder fehlenden Eizellreifung.

Das Zyklusmonitoring (Zyklusüberwachung) dient deshalb dazu, den optimalen Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr oder eine Insemination zu ermitteln.
Die Eileiterdurchlässigkeit wird mit einer Echovist-Untersuchung überprüft.

Zur Verbesserung der Follikelreifung (Eibläschenreifung) ist häufig eine Hormonbehandlung erforderlich. Diese kann mit Tabletten oder Spritzen durchgeführt werden.

Die Patientin kann sich diese Spritzen, mit sehr feiner Nadel, selbst verabreichen. Bei einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke findet die erste Kontrolle zwischen dem 5. und 7. Zyklustag statt. Je nach Reifung bzw. Größe der Eibläschen folgt der nächste Kontroll-Ultraschall 6-7 Tage später. Für eine erfolgreiche Behandlung müssen die Follikel eine optimale Größe erreicht haben (ca. 18-20 mm).
Die Erfolgschancen bei einer Hormonbehandlung liegen bei 15-20 % Schwangerschaftsrate.

Intrauterine Insemination

Bei der Insemination (Samenübertragung) wird eine definierte Menge an aufbereiteten und gewaschenen Spermien des Partners (auch homologe Insemination genannt) mit Hilfe eines dünnen Katheters zum Zeitpunkt des Eisprungs in die Gebärmutterhöhle übertragen.

Diese Methode eignet sich besonders dann, wenn nicht genügend und weniger schnell bewegliche Samenzellen vorhanden sind, wenn der Schleim am Gebärmutterhals zu zähflüssig ist und die Spermien nicht durchlässt oder wenn eine Immunabwehrreaktion auf den Samen des Mannes besteht. Voraussetzung allerdings ist, dass die Eileiter der Frau durchgängig sind. Der Vorteil dieser Behandlung ist, dass der Weg der Samenzellen bis zur Eizelle erheblich verkürzt wird.

Bevor man mit der Inseminationsbehandlung beginnt, wird ein Spermiogramm (Untersuchung der Samenflüssigkeit) erstellt. Man erhält Informationen über die Ejakulatmenge, die Anzahl der Spermien, die Beweglichkeit der Spermien und die Morphologie (Form) der Samenzellen. Die Befunde werden mit Normwerten der WHO (Weltgesundheitsorganisation) verglichen.

3-4 Tage vor der Behandlung sollten Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten. Diese Karenzzeit hat sich als optimal erwiesen. Wann der richtige Zeitpunkt für die Insemination erreicht ist, erfahren Sie in der Regel 2 Tage vorher. Für die Insemination kann im Vorfeld eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke notwendig sein oder aber sie findet im natürlichen Zyklus statt. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft liegt bei 10-15%. Für den Fall, dass beim Ehepartner weder im Ejakulat, noch im Hodengewebe Samenzellen vorhanden sind, gibt es die Möglichkeit der heterologen Insemination (Fremdsamen-Insemination). Spendersamen werden bei mit uns kooperierenden Samenbanken bestellt.

In-vitro-Fertilisation & Embryonentransfer

In-vitro-Fertilisation (IVF) bedeutet eine Befruchtung von Eizellen mit Samenzellen außerhalb des Körpers. Die IVF wird bei eingeschränkter Samenqualität, verschlossenen oder fehlenden Eileitern, bei Hormonstörungen, nach erfolglosen Inseminationen oder bei langjähriger unerklärlicher Sterilität durchgeführt. Bei dieser Methode werden die Eierstöcke durch Hormonspritzen, die selbst verabreicht werden können, stimuliert und es reifen mehrere Eizellen heran. Die Hormongaben werden individuell angepasst.

Wenn die Follikel (Eibläschen) mit den Eizellen unter Ultraschallkontrolle groß genug sind, wird der Eisprung mit einer Hormonspritze ausgelöst. 36 Stunden später wird die Follikelflüssigkeit mit den Eizellen in einer kurzen Narkose durch die Scheide abgesaugt (Follikelpunktion).

Nach der Narkose bleiben Sie noch ca. 2 Stunden zur Überwachung und Erholung in unserem Zentrum.

Im IVF-Labor werden die Eizellen dann 3-4 Stunden später in einer speziellen Nährlösung mit den aufbereiteten Samenzellen des Partners zusammengebracht. Die Spermien dringen von alleine in die Eihülle ein und nach ca. 18-20 Stunden kann bei 60% der gewonnenen Eizellen eine Befruchtung unter dem Mikroskop beobachtet werden.

 

Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz dürfen maximal 3 Embryonen in die Gebärmutter der Frau übertragen werden. In der Regel setzen wir aber nur 2 Embryonen bis zu einem Alter von ca. 38 Jahren zurück, um die Mehrlingsrate möglichst gering zu halten. Zur Erfolgskontrolle kann nach 14 Tagen eine eventuelle Schwangerschaft durch das Schwangerschaftshormon beta-HCG im Blut nachgewiesen werden.

Die Erfolgsaussichten nach einer IVF-Behandlung schwanger zu werden liegen bei 30-40 %.

Das erste Kind nach einer IVF-Therapie kam 1978 in England gesund zur Welt. Inzwischen hat die junge Dame schon ein eigenes Kind zur Welt gebracht.

Intrazytoplastische Spermieninjektion

Die ICSI, auch Mikroinjektion genannt, ist eine zusätzliche Maßnahme im Rahmen der IVF-Behandlung bei sehr eingeschränkter Samenqualität des Mannes. Die Vorbereitung für das ICSI-Verfahren ist für das Patientin identisch wie bei der IVF-Methode. Eine einzelne geeignete Samenzelle wird im IVF-Labor mittels einer sehr dünnen Glaskapillare unter mikroskopischer Kontrolle in die dafür vorbereitete Eizelle eingebracht.

So wird der natürliche Vorgang des Eindringens einer einzelnen Samenzelle in die Eizelle nachgeahmt. Diese Methode kann bei allen reifen Eizellen angewandt werden. Innerhalb von 16-18 Stunden kann festgestellt werden, ob eine

 

Befruchtung stattgefunden hat. Die Befruchtungsrate liegt nach der ICSI-Methode bei 70-80%. Innerhalb von 48-72 Stunden kann im IVF-Labor festgestellt werden, ob sich die Embryonen für den Transfer weiterentwickelt haben. Der Embryotransfer findet dann in gleicher Weise statt wie bei einer IVF-Behandlung. Die Erfolgsaussichten für eine Schwangerschaft liegen bei 35-40% pro Embryotransfer. Vor der Durchführung einer Mikroinjektion ist eine Chromosomenanalyse und eine humangenetische Beratung des Paares empfehlenswert.

Für den Fall, dass keine oder nur unbewegliche Spermien im Ejakulat vorhanden sind, oder bei einem Samenleiterverschluß kann man durch eine TESE (testikuläre Spermienextraktion) noch Samenzellen gewinnen. Durch einen kleinen operativen Eingriff werden aus dem Hoden des Partners winzige Gewebeproben entnommen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Spermien enthalten. Diese Proben werden eingefroren und in unserem Zentrum gelagert. Zum Zeitpunkt der Durchführung der Mikroinjektion wird das Gewebe aufgetaut, aufbereitet, und es werden wieder einzelne Samenzellen in die Eizelle injiziert.

Die Erfolgsaussichten entsprechen dem IVF-ICSI-Verfahren. Bei dieser TESE-Methode arbeiten wir eng mit spezialisierten urologisch-andrologischen Zentren zusammen.

Kryokonservierung (Vitrifikationsmethode)

Die überzähligen befruchteten Eizellen nach einer IVF- oder ICSI-Behandlung können auf Wunsch des Patientenpaares auch eingefroren und über einen längeren Zeitraum in flüssigem Stickstoff bei –196°C gelagert werden.

Die Zellen werden im sog. Vorkernstadium, auch Pronucleus-Stadium genannt, eingefroren. Dies bedeutet, dass eine Befruchtung stattgefunden hat und bereits eine Samenzelle in das Ei eingedrungen ist, jedoch noch keine Verschmelzung des mütterlichen und väterlichen Erbgutes zu einem Zellkern vollzogen wurde. So ist eine Eizelle im Vorkernstadium noch kein Embryo im Sinne des Embryonenschutzgesetzes und darf kryokonserviert werden.

In einem späteren Zyklus können diese befruchteten Eizellen dann wieder aufgetaut und nach einer Weiterentwicklung zu Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden. (Embryotransfer, hier Kryotransfer genannt). Beim Auftauvorgang kann es passieren, dass ein Teil der Eizellen an Vitalität verliert und diese Zellen sich nicht weiterentwickeln. Sie stehen dann für einen Transfer nicht zur Verfügung. Aber in der Regel haben wir eine Auftaurate von >90 % intakter Zellen.

Dieses bewährte und sichere Verfahren ermöglicht mehrere Embryoübertragungen ohne erneute Stimulation und operativen Eingriff unter Narkose. Das bedeutet wir können die Embryonen in einem normalen Menstruationszyklus zum optimalen Zeitpunkt zurückgeben. Die andere Möglichkeit der Vorbereitung auf den Kryotransfer ist eine leichte Stimulation mit Hormontabletten. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nach dem Kryotransfer ist etwas niedriger als bei einem primären IVF/ICSI –Zyklus und liegt bei 20-30%. Die Kryokonservierung stellt jedoch eine zusätzliche Möglichkeit schwanger zu werden, mit einer geringeren Belastung der Frau, dar.

Dieses Verfahren wird in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Informieren Sie sich aber trotzdem vorab, ob eine Übernahme der Kosten in Ihrer speziellen Situation doch möglich ist.

Seit einiger Zeit können auch unbefruchtete Eizellen erfolgreich eingefroren und wieder aufgetaut werden. Diese Methode ist zum Beispiel sinnvoll für Patientinnen, die sich einer Chemo- und/oder Strahlentherapie mit nachfolgender Sterilität unterziehen müssen (Fertiprotect). Außerdem können junge Frauen auch aus verschiedenen anderen Gründen ihre Eizellen für späteren Kinderwunsch kryokonservieren und einlagern lassen.

Selbstverständlich haben wir auch mit dem Einfrieren und Lagern von Samenzellen langjährige Erfahrung. Auch männliche Patienten können vor einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie, einer Sterilisation oder aus sonstigen privaten Gründen ihre Spermien für späteren Kinderwunsch kryokonservieren und über längere Zeit einlagern lassen.

 

 

 

Laser-Hatching

Trotz erfolgreicher Befruchtung der Eizellen bei In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Mikroinjektion (ICSI) bleibt bisweilen die erwünschte Schwangerschaft aus. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Embryo nicht aus seiner Hülle schlüpfen kann, um sich in der Gebärmutter einzunisten. Auf natürliche Weise kommt es ca. 5-7 Tage nach dem Befruchtungsvorgang bei dem Embryo durch vorwiegend biochemische Vorgänge zu einer Öffnung der Embryohülle. Schlüpft der Embryo nicht oder nur unvollständig, kann keine Einnistung in die Gebärmutter stattfinden. Ein seit langem anerkanntes Verfahren in der Fortpflanzungsmedizin, das „Laser-Hatching“, unterstützt das Ausschlüpfen des Embryos. Bei dieser Technik werden kurz vor dem Embryotransfer mit einem feinen Laserstrahl ca. 20-25% der äußere Hülle des Embryos, die sogenannte zona pellucida, unter mikroskopischer Kontrolle ausgedünnt.

Das Laser-Hatching ist zu empfehlen bei:
  • Embryonen von Frauen über 37 Jahre
  • Embryonen von Frauen mit vorausgegangenen erfolglosen IVF-Behandlungen
  • Auffällig dicker Hülle um den Embryo (>20 µm)
  • Embryonen, enstanden nach Tiefgefrieren im Vorkernstadium und Wiederauftauen

Weltweit durchgeführte Studien konnten eindeutig belegen, dass das Laser-Hatching keine negativen Auswirkungen auf den Embryo und dessen Entwicklung hat, höchste Sicherheit aufweist und eine deutlich erhöhte Einnistungsrate des Embryos zeigt. Die Kosten für die Laser-Hatching-Behandlung werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.

Akupunktur

Seit längerer Zeit hat sich die Akupunktur auch in der Fortpflanzungsmedizin bewährt. Es gibt inzwischen Studien und Veröffentlichungen, die einen positiven Effekt der jahrtausendealten Therapie mit Akupunktur auf den Erfolg einer IVF-Behandlung mit einer deutlichen Steigerung der Erfolgsrate belegen.

Die Akupuktur stärkt und harmonisiert den Organismus und schützt vor negativen Einflüssen. Sie stärkt das Immunsystem, reguliert Hormone, gibt neue Energie und reduziert Stress und Schmerzen. Bei unserer speziellen Akupunktur wird vor allem auch die Durchblutung der Gebärmutter verbessert und dadurch die Einnistung des Embryos begünstigt.

Wir führen zwei Sitzungen mit jeweils 20 Minuten am Tage des Embryotransfers durch. Die Behandlung findet jeweils direkt vor und nach dem Embryotransfer statt.

Der Hyaluronat-Bindungstest („HBA-Test“)

Bestimmung der Menge ausgereifter Samenzellen durch Simulation der Kontaktaufnahme bzw. Bindungsfähigkeit mit Eizellen

Die Untersuchung der Samenzellen (Spermien) des Mannes stellt einen sehr wichtigen diagnostischen Schritt dar, der für den weiteren Weg einer Kinderwunschbehandlung ganz entscheidend ist. Für die Therapieplanung ist daher die vorherige Durchführung von Samenanalysen (so genannte Spermiogramme) von großer Bedeutung.

Standardmäßig wird bei der Spermiogrammerstellung die Anzahl der Samenzellen, sowie deren Beweglichkeit und Form bestimmt. Die Kriterien „Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien“ können für die Fertilitätsbeurteilung des Mannes ausreichen, erlauben allerdings keine Aussage über den Reifegrad der Samenzellen. Man weiß aber inzwischen, dass für eine erfolgreiche Befruchtung der Eizelle sowie für eine regelrechte Embryonalentwicklung und Entstehung einer stabilen Schwangerschaft auch eine vollständige Ausreifung der Samenzelle notwendig ist.

Im Kinderwunschzentrum Göttingen besteht für Sie nun die Möglichkeit, Ihre geplante Spermiogrammanalyse um eine zusätzliche Untersuchung, dem sogenannten Hyaluronat-Bindungstests (engl. Sperm-Hyaluronan Binding Assay, kurz „HBA-Test“), zu erweitern.

Mit Hilfe dieses Tests kann die Menge gut beweglicher und vollständig ausgereifter Spermien bestimmt werden. Bei dieser Untersuchung werden ausgereifte Samenzellen anhand ihrer Fähigkeit, an einer simulierten Eizellenhülle (Hyaluronat) zu binden, identifiziert. Das HBA-Verfahren imitiert somit die natürliche Auswahl reifer und befruchtungsfähiger Samenzellen an der Eizellenoberfläche.

Bekannt ist, dass ausschließlich ausgereifte Samenzellen über die Fähigkeit verfügen, an Hyaluronat zu binden. Zudem konnte wissenschaftlich belegt werden, dass Hyaluronat-gebundene Samenzellen deutlich weniger häufig Veränderungen in ihrem Erbmaterial aufweisen und damit ein höheres Potential haben, zu einer stabilen Schwangerschaft zu führen.

Der HBA-Test liefert somit eine sehr wichtige Zusatzinformation über die Menge ausgereifter und befruchtungsfähiger Samenzellen und erlaubt gegenüber dem herkömmlichen Standard-Spermiogramm eine präzisere Fertilitätsbeurteilung des Mannes, die für die weitere Therapieplanung von entscheidender Bedeutung sein kann.

Zeigt sich im HBA-Test z.B. eine verringerte Menge vollständig ausgereifter Samenzellen, kann ein Wechsel von einer Inseminations-Behandlung zu einer IVF/ICSI-Therapie sinnvoll sein.

Der HBA-Test kann als Erweiterung gleichzeitig mit dem Standard-Spermiogramm durchgeführt werden.

Die Abgabe einer weiteren Samenprobe ist hierfür nicht notwendig.

 

Die „Calcium-Ionophor-Behandlung“
Unterstützung der Eizellaktivierung nach ICSI

Wenn Samenzellen eigenständig nicht in der Lage sind, in eine Eizelle einzudringen und diese zu befruchten, wird das Verfahren der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) angewandt. Hierbei werden einzelne Samenzellen unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle injiziert und damit ein Eindringen einer Samenzelle in die Eizelle sichergestellt.

Die alleinige Anwesenheit einer Samenzelle in einer Eizelle garantiert allerdings noch nicht eine erfolgreiche Befruchtung der Eizelle und die Entstehung eines entwicklungsfähigen Embryos. In etwa 4% aller ICSI-Zyklen wird keine Eizelle befruchtet und bei weiteren 4% liegt die Befruchtungsrate unter 20%. Diese negativen Ergebnisse basieren auf Eizell- und/oder Spermieneigenschaften, die die normale Aktivierung des Befruchtungsvorganges in Eizellen und die nachfolgenden Zellteilungen unterbinden.

Es ist bekannt, dass im Normalfall das Spermium nach Eindringen in die Eizelle die Calcium-Konzentration erhöht, die Eizelle damit aktiviert und so eine reguläre Befruchtung und Embryonalentwicklung herbeiführt. Ob Samenzellen über diesen Mechanismus Eizellen aktivieren können oder nicht, kann vor einer ICSI-Behandlung nicht überprüft werden. Es besteht aber die Möglichkeit, den Befruchtungsvorgang während einer ICSI-Behandlung zu unterstützen, indem die Eizelle unmittelbar nach Injektion der Samenzelle in ein Kulturmedium umgesetzt wird, welches einen sogenannten Calcium-Ionophor enthält. Hierbei handelt es sich um eine Substanz, die die Calciummenge in der Eizelle erhöht und damit den Befruchtungsprozess unterstützt.

Die Behandlung von Eizellen mit Calcium-Ionophor nach ICSI ist ein inzwischen seit vielen Jahren praktizierter Ansatz zur Verbesserung der Eizellaktivierung. Studien zufolge kann der Anteil befruchteter Eizellen durch diese Behandlung deutlich zunehmen und die nachfolgende Embryonalentwicklung verläuft normal (Ebner et al. Fertil Steril 2012).

Anwendungsmöglichkeiten:

  1. Bei ICSI-Zyklen ohne Befruchtung
  2. Bei niedrigen Befruchtungsraten nach ICSI (< 20%)
  3. Bei Kryptozoospermie (< 1 Mio./ml)
  4. Bei TESE-ICSI-Behandlungen

Wir bieten Ihnen diese Methode als Zusatzleistung an. Die Eizellaktivierung durch Calcium-Ionophor gehört nicht zum kassenärztlichen Leistungskatalog.

Operative Methoden

Ein Teil der Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches kann operativ abgeklärt oder behandelt werden. Da die operative Reproduktionsgynäkologie bei uns im Haus erfolgt, lassen sich notwendige Eingriffe in der Regel zeitnah in den Behandlungsablauf integrieren.

  • Die Eileiterdurchgängigkeit wird bei entsprechender Fragestellung mittels Bauchspiegelung mit Durchspülung geprüft, meist kombiniert mit einer Gebärmutterspiegelung. So können auch Veränderungen der Gebärmutterhöhle erkannt werden, die im Ultraschall nicht sichtbar sind. Ob dieser Eingriff erforderlich ist, wird individuell geprüft. In ausgewählten Fällen kann zur Funktionsprüfung auch eine Ultraschallmethode ausreichen. Auffällige Befunde lassen sich häufig im gleichen Eingriff behandeln.
  • Myome sind gutartige Muskelknoten der Gebärmutter. Behandlungsbedürftig sind sie vor allem dann, wenn sie die Gebärmutterhöhle verformen und Blutungsstörungen oder Einschränkungen der Einnistung verursachen. Die Entfernung erfolgt über eine Gebärmutterspiegelung.
  • Polypen der Gebärmutterschleimhaut können ebenfalls Blutungsstörungen verursachen oder die Einnistung beeinträchtigen. Sie werden in der Regel im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung entfernt.
  • Gebärmutterfehlbildungen werden häufig zufällig festgestellt und sind nicht immer behandlungsbedürftig. Eine trennende Scheidewand (Uterusseptum) kann jedoch mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko verbunden sein und sollte vor einer Behandlung korrigiert werden.
  • Bei einer Flüssigkeitsansammlung im Eileiter (Hydrosalpinx) kann die Erfolgsaussicht einer Behandlung durch künstliche Befruchtung beeinträchtigt sein. Je nach Befund kommen eine Entfernung oder ein Verschluss des betroffenen Eileiters in Betracht.
  • Endometrioseherde, die im Rahmen einer Bauchspiegelung festgestellt werden, können operativ entfernt werden. Die Entscheidung erfolgt unter Abwägung von Befund, Beschwerden und möglicher Auswirkung auf die Eizellreserve.